Schlechter Atem muß nicht sein

Mundgeruch – viele haben ihn, wenige reden darüber. Wenn der Gesprächspartner auf Distanz geht, liegt es oft daran, dass er einen „nicht riechen kann“. Mundgeruch (Fachausdruck: Halitose) betrifft in Europa mittlerweile jeden Vierten und ist heute noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, obwohl viele Menschen darunter auch psychisch leiden.
Schlechter Atem ist nicht nur eine Beleidigung für empfindliche Nasen – er ist auch ein Alarmsignal. Er warnt zum Beispiel vor chronischen Krankheiten, vor Angriffen von Bakterien oder ist ein Zeichen für Erkrankungen des Zahnfleisches. Hartnäckig hält sich die Ansicht, dass hauptsächlich Erkrankungen des Magens für Mundgeruch verantwortlich sind. Dies erklärt, warum ein großer Anteil der Patienten bereits eine oder mehrere Gastroskopien über sich haben ergehen lassen. Tatsächlich spielt der Magen in diesem Zusammenhang keine nennenswerte Rolle. Man kann davon ausgehen, dass in etwa 80-90% der Fälle die Ursache für die Halitosis im Bereich der Mundhöhle zu suchen ist.
Geruchsquelle sind Bakterien, die organische Substanzen aus Speichel, Nahrungsresten, Hautzellen, Blut usw. zu chemischen Verbindungen abbauen. Eine Schlüsselrolle nehmen so genannte flüchtige wie Schwefelwasserstoffe ein. Die verursachenden Bakterien können sich in "Schlupfwinkeln" der Mundhöhle, wie z.B. Zahnzwischenräumen, Zahnfleischtaschen und überstehenden Füllungsrändern befinden. In den meisten Fällen oral (vom Mund) bedingter Halitosis spielen jedoch Beläge des hinteren Anteils des Zungenrückens eine wichtige Rolle.
Begünstigende Faktoren sind ein verminderter Speichelfluss, Rauchen, Mundatmung, Schnarchen, Stress und Fastenperioden. Neben Ursachen des Mundes stehen an zweiter Stelle Erkrankungen aus dem Hals-, Nasenbereich. In seltenen Fällen kann sich hinter einer Halitosis eine Allgemein-erkrankung verbergen. Die Diagnostik von Halitosis ist oft schwierig, weil es sich um ein sehr intimes Thema handelt. Die meisten Menschen trauen sich nicht, Betroffene offen auf ihr Problem anzusprechen. Umgekehrt traut sich kaum jemand, um eine entsprechende Auskunft zu bitten. Für die Zahnarztpraxis bedeutet das: Kaum ein Patient wird seinen Zahnarzt mit der Bitte aufsuchen, an ihm zu "schnuppern" und umgekehrt werden viele Ärzte es als nicht sehr angenehm empfinden genau dieses zu tun. Eine organoleptische (allein mit dem Geruchssinn durchgeführte) Untersuchung stellt das einfachste diagnostische Mittel dar, um zu prüfen, ob Mundgeruch vorliegt und wo dieser seinen Ursprung hat. So kann der Geruch beim Sprechen, beim Ausatmen durch Nase oder Mund, von Zungenabstrichen und Zahnbelagproben beurteilt werden. Organoleptische Untersuchungen sind jedoch fehleranfällig, denn der Geruchssinn des Untersuchers kann eingeschränkt sein oder der Riechende kann möglicherweise selber unter Mundgeruch leiden und dadurch an bestimmte Gerüche gewöhnt sein. Außerdem ist die Einordnung von Gerüchen schwierig. Man hat daher versucht, Mundgeruch durch objektive Messungen zu charakterisieren. Dafür wurden Geräte entwickelt mit denen es möglich ist, die Konzentration flüchtiger Schwefelverbindungen direkt am Behandlungsstuhl zu messen. Das am weitesten verbreitete Gerät ist der Halimeter .
Zwar wird der Halimeter aufgrund seines eingeschränkten Spektrums nicht in jedem Fall die Stärke des vorliegenden Mundgeruches aufzeigen, aber er ermöglicht Betroffenen einen Weg, Rat einzuholen, ohne eine peinliche Situation fürchten zu müssen. Hat sich der Patient dann erst einmal offenbart und Vertrauen gefasst, stellt eine organoleptische Untersuchung meist kein Problem mehr dar. Die Geruchsquellen können gemeinsam mit dem Patienten aufgespürt werden. Außerdem bietet das Gerät die Möglichkeit, den Behandlungserfolg zu kontrollieren und verunsicherten Patienten wieder Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen zu geben.
Sollte eine Klärung der Ursachen durch weitere Fachärzte erforderlich sein, z.B. Internist, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, o.ä., verfügen wir über ein Netzwerk mit entsprechend qualifizierten Spezialisten für ihre Behandlung.
Die Behandlung von Halitosis richtet sich nach der Ursache. Wichtig ist, daß vor der Behandlung festgestellt wird, ob überhaupt ein Foetor vorliegt, denn es gibt Patienten, die keinen wahrnehmbaren Foetor aufweisen aber dennoch fest davon überzeugt sind, daß sie unter Mundgeruch leiden (Halitophobie). Diesen Patienten kann man als Zahnarzt meist nicht helfen. Ist Mundgeruch vorhanden, wird er sich in den meisten Fällen durch eine Parodontalbehandlung, eine individualprophylaktische Betreuung (Zahnreinigung = PZR) und die Beseitigung des Zungengeruches eliminieren lassen.

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